Muskeln

Beobachtet man ein Pferd auf der Weide beim Springen, Spielen und herumtoben mit seinen Herdenkameraden, ist man voller Bewunderung für diese geschmeidigen, kraftstrotzenden Geschöpfe. Dass es so ausgelassen Springen, Bocken und Galoppieren kann, verdankt das Pferd dem Umstand, dass seine ca. 520 Muskeln im Körper fas 40% seiner Gesamtmasse ausmachen. Es ist also trotz seiner eleganten Erscheinung ein ziemliches Kraftpaket.
Der aktive Bewegungsapparat eines Pferdes setzt sich aus vielen verschiedenen Skelettmuskeln zusammen, die für die willkürlichen und aktiven Körperbewegungen zuständig sind.
So ein Skelettmuskel besteht aus 10 bis 40 Faserbündeln, die sich wiederum aus unzähligen Muskelfasern zusammensetzen.
Die Muskeln eines Pferdes unterteilen sich in verschiedene Muskelgruppen.
Jede Gruppe ist zwar für eine bestimmte Funktion zuständig, jedoch sollte man die Muskulatur immer als ein ineinander greifendes Gesamtwerk betrachten.

Die zwei wichtigsten Muskelgruppen nennt man die „dorsale“ und „ventrale Kette“. Zu der dorsalen Muskelkette zählt man die Muskeln über den Wirbeln, wie die Muskulatur des oberen Halsabschnittes, die Rückenmuskulatur, die der Kruppe und die Muskeln der Oberschenkel. Diese Muskeln ermöglichen ein Strecken des Rumpfes und der Hüfte und das Anheben des Halses und das Rückwärtsrichten der Hinterhand.
Die ventrale Kette setzt sich zusammen aus  den unteren Halsmuskeln, den Bauchmuskeln und den vorderen Oberschenkelmuskeln. Diese Muskeln sind Beugemuskeln und bewegen den Hals, den Rumpf und die Hüfte. Das Senken des Halses wird durch diese Muskeln ermöglicht und ein untertreten der Hinterhand.

Die obere Seite des Halses vom Genick bis zum Widerrist bezeichnet man als Oberlinie und zeichnet sich durch gleichmäßige Muskelstränge aus, die für die Bewegung der wendigsten Abschnitte der Wirbelsäule zuständig sind. Mit ihnen kann das Pferd den Kopf in alle Richtungen bewegen. Man unterscheidet zwischen den kurzen Halsmuskeln, die jeweils zwei Wirbel miteinander verbinden und den langen Halsmuskeln, die ganze Bereiche der Wirbelsäule umspannen.

Die Brustmuskulatur verbindet die Vorderbeine mit dem Rumpf und ermöglicht den vorderen Gliedmaßen den Rumpf zu tragen und auch anzuheben. Außerdem zieht die Muskulatur die Vorderbeine an den Körper heran und erlaubt so deren Innenbewegung. Durch dieses gewaltige und kraftvolle Muskelpaket kommt das Pferd ohne Schlüsselbein aus.

Rechts und links der Wirbelsäule verläuft der längste Muskel des Pferdes, die Rückenmuskulatur. Sie reicht vom Hinterhauptbein des Schädels über die Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule bis zum Kreuzbein. Die Rückenmuskulatur beeinflusst die Biegung und Anspannung der Wirbelsäule, sowie ihre Lockerheit. Außerdem ist sie für die Atemfreiheit des Brustkorbes und der Schulterfreiheit in der Gangbewegung zuständig.
Der Gesundheit der Rückenmuskulatur gebührt ein besonderes Augenmerk, ganz besonders, wenn man darauf herum reiten will. Nur mit einem starken und gesunden Rücken ist das Pferd in der Lage, Sattel und Reiter für längere Zeit sicher und schmerzfrei zu tragen.

Die Bauchmuskulatur wirkt unterstützend für die Rückenmuskulatur und hebt und stützt den Rücken mit. Becken und Rumpf werden ebenfalls von diesen Muskeln unterstützt. Die Bauchmuskeln sind also stark mit den Muskeln im Rücken verkettet und arbeiten zusammen.
Mit den Bauch- und Rückenmuskeln ist es ähnlich wie bei uns Menschen: trainiert man den Bauch, darf man den Rücken nicht vergessen und umgekehrt, sonst riskiert man Haltungsschäden.

Dann gibt es da noch die Muskulatur der Vor- und der Hinterhand. Die Vorhandmuskulatur ist, obwohl sie eine tragende Funktion ausübt etwas schwächer ausgeprägt als die Muskulatur der Hinterhand, die für den „Schub“ zuständig ist.
Die Muskeln der Vorderbeine tragen zusammen mit den Brust- und Rumpfmuskeln das Gewicht des Pferdehalses und zusätzlich das des Reiters.
Das hintere Drittel des Pferdes bestehend aus Kruppe, Hinterbeine und Schweif bilden die Hinterhandmuskulatur, die für den Antrieb zuständig ist. So ein Pferd hat also technisch gesehen, Heckantrieb. Mit diesen Muskeln holt es sich seine Sprungkraft und den Schub, mit dem Das Pferd seinen Körper nach vorne schiebt.

Bei einem Pferd, besonders wenn es ein Sport- oder Reitpferd ist, ist immer auf eine gesunde Bemuskelung zu achten. Allgemein gilt: gesunde Muskeln wirken immer glatt, fest und rund ohne Löcher oder Ecken.