Von Dauerrosse oder auch „Roßkoller“ ist die Rede, wenn eine Stute ständig und andauernd Anzeichen für eine Empfängnisbereitschaft zeigt und dabei ihr Verhalten so dermaßen ändert, daß man sie weder reiten noch mit anderen Pferden zusammenstellen kann, weil sie entweder extrem anhänglich oder anderen Pferden gegenüber aggressiv wird. Sie ist also dauerhaft rossig, was nicht gesund ist und nicht nur nervig sondern auch gefährlich werden kann.
Eine gesunde Stute wird bereits mit etwa achtzehn Monaten geschlechtsreif und wird dann alle 21 Tage, also alle drei Wochen rossig, wobei der Zyklus abhängig von den Jahreszeiten ist und von dem damit verbundenen Lichtwechsel beeinflusst wird. In den dunkleren Wintermonaten setzt die Rosse deshalb schon mal aus. Normalerweise dauert die Rosse zwischen drei und sieben Tagen und nicht alle Stuten benehmen sich in dieser Zeit „schlecht“ und lassen sich trotzdem reiten.
Liegt bei der Stute aber tatsächlich eine Dauerrosse vor, erkennt man das an den folgenden, für längere Zeit anhaltenden Symptomen:
Sie läuft ständig mit zur Seite gelegtem Schweif und gespreizten Beinen in der Gegend herum. Die Vagina ist geschwollen und bildet Schleimtröpfchen. Dazu kommt ein vermehrtes Wasserlassen und der Ausfluss ist mitunter so stark, dass es ihr an den Hinterbeinen herunterläuft. Oft ist auch der Rückenbereich verspannt und manche Stuten neigen in dieser Phase zu leichten Koliken. Neben den körperlichen Anzeichen zeigt die Stute außerdem ein breites Spektrum an Verhaltensauffälligkeiten. Die Untugenden, die allgemein als „schlechte Laune“ bezeichnet werden, reichen von auffallend anhänglich bis extrem zickig, Arbeitsunwillig mit Konzentrationsmangel und natürlich einer sehr starken Reaktion auf Hengste oder auch hengstige Wallache, falls einer in der Nähe sein sollte.
Mit einem Pferd, das dermaßen neben der Spur ist und von einem Ungleichgewicht der Hormone gebeutelt wird, lässt sich natürlich nur schwer bis gar nicht arbeiten. Dabei sind in den wenigsten Fällen körperliche Gründe der Auslöser für so einen Roßkoller. In Wildpferdeherden hat man so ein Verhaltensproblem noch nicht beobachten können, weshalb davon ausgegangen wird, daß Fehler bei der Haltung die Ursache dafür sind. Beobachtet man bei seiner Stute dieses dauerhafte rossige Verhalten, sollte zuerst ein Tierarzt konsultiert werden. Er kann ausschließen, ob dieses Verhalten eventuell körperlich Gründe hat. Durch einen Ultraschall kann er feststellen, ob die Stute Zysten, Abszesse oder Entzündungen an den Eierstöcken oder der Gebärmutter hat. Manchmal ist auch eine Schilddrüsenunterfunktion ausschlaggebend. Ist dies nicht der Fall, sollte man die Haltungsbedingungen noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Überfütterung, zu wenige Sonnenlicht und zu viel Dunkelheit, soziale Störungen und das Leben in einer ungünstig zusammengestellten Herde kann alles einen schlechten Einfluss auf den Zyklus einer Stute haben. Ist die Herde beispielsweise gemischt und zeigt nur ein Wallach darunter ein zu aufdringliches, hengstiges Verhalten, weil er vielleicht noch nicht gemerkt hat, daß er kein Hengst mehr ist, kann das schon Grund genug sein, die Stute zur Rosse zu animieren. Hat eine Stute Probleme bei der Rosse, sollte sie lieber in einer reinen Stutenherde gehalten werden.