Harnstein

Auch im harnbildenden und harnableitenden System von Pferden können sich solide, steinartige, hauptsächlich aus Salzen bestehende Ablagerungen bilden: der sogenannte Harnstein, auf schlau: „Urolithiasis“
Am häufigsten betroffen sind ältere, männliche Pferde, unter anderem deswegen, weil ihre Harnröhre um ein Vielfaches länger ist, als die einer Stute und der Urin einen längeren Weg hat, um eventuell vorhandene Kleinstteilchen auszuspülen. Daher findet man oft bei betroffenen Wallachen Harnsteine in der Harnröhre, die sich da festgesetzt haben, während Stuten sie unbemerkt ausscheiden.
Häufiger sind beim Pferd allerdings frei in der Blase liegende Harnsteine, also Blasensteine. Sie können unterschiedlich groß sein und sind meist rundlich mit einer rauen oder glatten Oberfläche.
Nieren- und Harnleitersteine dagegen sind meist kleiner und weisen abenteuerliche, skurrile Formen auf. Je nachdem, wo sich so ein Stein gebildet hat, spricht man von Nierensteinen, Harnleitersteinen, Harnblasensteinen oder Harnröhrensteinen.

Für die Entstehung von Harnsteinen bei Pferden können mehrere Ursachen in Frage kommen: Zum einen wird eine Übersättigung des Harns mit Mineralstoffen wie Kalzium oder Phosphor als mögliche Ursache angesehen, sowie alkalische ph-Werte. Am wahrscheinlichsten ist allerdings Harnverhaltung durch Wassermangel. Bekommt das Pferd nicht genug Wasser zu trinken, kann es natürlich auch kein Wasser lassen und die Bildung von Kristallen und anderen steinartigen Gebilden in dem dehydrierten Körper wird begünstigt. Harnverhaltung beschreibt die Unfähigkeit, die Blase ganz oder teilweise zu entlehren, was allerdings auch nicht nur durch Wassermangel, sondern auch durch eine Entzündung der Harnwege verursacht werden kann. Bei so einer Entzündung zerfällt Gewebe an der erkrankten Stelle und so entsteht ein Ausgangsprodukt, der als Kern für die Kristallisation und die Steinbildung fungiert.
Leider gibt es keine Anzeichen, die frühzeitig auf eine beginnende Harnsteinbildung hinweisen. Erst wenn die Steine schon so groß sind, daß sie Beschwerden verursachen, erkennt man das an folgenden Symptomen, die allerdings abhängig sind von dem Organ, in dem sie sich gebildet haben und dem Schweregrad der Verstopfung:
-Das Pferd verspürt zwar Harndrang, kann aber nur kleine Mengen Flüssigkeit absetzen, da der Versuch zu urinieren mit Schmerzen verbunden ist.
-Das Pferd versucht häufiger zu pinkeln.
-Der Urin ist durch Blut dunkel verfärbt, verursacht durch die ständige Reizung der Schleimhäute durch den Harn- bzw. Urinstein.
-Manchmal entdeckt man leichte Symptome einer Kolik.
- Einige Pferde reagieren hin und wieder mit einem leichten Penisvorfall.

Ist die Erkrankung bereits chronisch, reagiert das Pferd mit Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsabbau, häufigen Koliken und fortgesetzten Verspannungen der Rückenmuskulatur.
Ist es schon soweit, daß die Harnwege komplett verstopft sind, ist dies nicht nur extrem schmerzhaft für das Pferd, sondern es kann auch dazu führen, daß die Blase oder die Harnröhre zerreißt oder durchbricht, wodurch sich der Urin im Bauchraum ansammelt. Darauf reagiert das Pferd mit Apathie und stellt vollkommen die Nahrungsaufnahme ein.

Der Tierarzt kann bei einer rektalen Untersuchung einen vorhandenen Blasenstein als feste, runde Masse am Blasenhals ertasten. Ergänzend kann eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen werden, die dann Gewissheit bringt. Meist werden Harnröhre und Harnblase zusätzlich endoskopisch untersucht.
Leider lassen sich Harnsteine nicht mit Medikamenten wegzaubern. Eine medikamentöse Behandlung hilft nur gegen die Schmerzen. Um die schmerzhaften, kristallinen Ablagerungen aus dem Harnsystem wieder los zu werden, kann man seinem Pferd eine Operation nicht ersparen. Je nach dem von wo der oder die Steine entnommen werden müssen, kann es schon mal zu einer größeren OP mit Vollnarkose in Rückenlage kommen.
Damit es hoffentlich gar nicht erst zu einer Bildung von Harnsteinen kommt, gilt auch hier, Vorbeugen ist besser, als Behandeln. Daher ist von Seiten des Pferdehalters immer auf die richtige Haltung und Ernährung zu achten und ganz wichtig:
Der uneingeschränkte Zugang zu ständig frischem Wasser ist nicht nur für kranke und gefährdete, ältere Pferde unabdingbar sondern sollte in jeder Pferdehaltung eine Selbstverständlichkeit sein, über die man nicht erst diskutieren muß.

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