Equine Complex Vertebral Malformation (ECVM)


Equine Complex Vertebral Malfunktion Die „Equine Complex Vertebral Malformation“ ist wieder so eine endlos lange Krankheitsbezeichnung, dass man sie mit „ECVM“ abkürzen muss. Jedoch weiß der Nicht-Lateiner dann immer noch nicht, wobei es sich hier im Speziellen handelt. Grob übersetzt bedeutet die lateinische Bezeichnung soviel wie: „Vielfältige Mißbildung der Wirbelsäule des Pferdes“.
ECVM beschreibt eine angeborene Fehl- bzw. Mißbildung der unteren Halswirbelsäule des Pferdes. Genauer gesagt, sind die letzten beiden Halswirbel, der sechste und siebte, in manchen Fällen sogar der erste Brustwirbel von der Fehlformation betroffen. Manchen Pferden mit dieser Anomalie fehlt sogar gänzlich das erste Rippenpaar.
Die Mißbildung der Halswirbel muss man sich so vorstellen, daß an der Unterseite der Wirbel knöcherne Bestandteile einfach fehlen. Sie sind also nicht korrekt ausgebildet, was genau dann zum Problem wird, wenn die fehlenden Teile Ansatzpunkte für die Muskeln sind. Manchmal sind die Wirbel auch so deformiert, daß sie den Wirbelkanal an dieser Stelle einengen und so das Rückenmark quetschen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Nervenbahnen hat.
Es ist schwierig die Missbildungen auf einem normalen Röntgenbild zu erkennen, da sich die betroffenen Wirbel, sowie das erste Rippenpaar seitlich gesehen hinter dem Schulterblatt verstecken. Der Tierarzt muss genau wissen, wonach er sucht und das Röntgengerät so ausrichten, daß er die letzten beiden Wirbel gut und besonders von der Unterseite erkennen kann.
Pferde, die mit ECVM auf die Welt gekommen sind, zeigen über kurz oder lag folgende Symptome:

- Schwierigkeiten den Brustkorb zu heben, sowie erschwerte Lastenaufnahme
- Stolpern, Einknicken der Vorhand und Stürzen
- allgemeine Koordinationsschwierigkeiten und wechselnde Lahmheiten
- Ataktisches Gangbild
- Wobbler-Syndrom
- Headshaking
- Widersetzlichkeiten unter dem Reiter

Folgeerscheinungen sind außerdem:

- Fesselträgerschäden
- Facettengelenkarthrosen
- unterschiedlich geformte Hufe durch ungleichmäßige Belastung der Gliedmaßen

ECVM ist keine Krankheit, die schleichend entsteht oder der man irgendwie vorbeugen könnte, da sie angeboren ist. Es wird vermutet, daß die Mißbildung einst eine Laune der Natur war und als der Mensch bemerkte, daß die betroffenen Pferde etwas beweglicher waren und über mehr Schulterfreiheit verfügten, hat man mit diesen Pferden nichts ahnend weiter gezüchtet und jetzt hat man das Malheur. Denn man hat dabei übersehen, daß die angeblich beweglicheren Pferde enorm an Stabilität und Tragkraft eingebüßt haben.
Mit dem Wunsch, ein weiches, geschmeidiges Dressurpferd zu erschaffen, hat man stattdessen ein neues Krankheitsbild kreiert und in der Zucht gleich genetisch verankert. Für große, spektakuläre Bewegungen in der Dressur, hat man die Stabilität, die Gesundheit und die Langlebigkeit geopfert. Denn Pferde, die unter diesem Gendefekt leiden, kann man schon mit sieben Jahren in Rente schicken.
Die jungen, instabilen Pferde werden früh lahm, können den Brustkorb nicht anheben und somit keine Lasten aufnehmen, geschweige denn einen Reiter tragen. Viele dieser Tiere können niemals Reitpferd werden.
Um diesen Gendefekt auszumerzen ist die Zucht gefragt. Zuchttiere müssen vor ihrem Einsatz besser untersucht und auf eventuelle erblich bedingte Gendefekte überprüft werden. Durch konsequentes Aussortieren (nicht zur Zucht zulassen) betroffener Tiere, kann man sich hoffentlich in ein paar Jahren oder Jahrzehnten wieder über gesündere Pferde freuen.


Grafik: Nadja von der Hocht

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